18.09.17: Von Tür zu Tür auf Stimmenfang

Veröffentlicht am 20.09.2017 in Wahlen

Wahlkampf am Treppenabsatz: SPD-Kandidatin Annette Heidrich suchte jetzt gemeinsam mit Erwin Scheiwein (links) vom SPD-Ortsverein Emmerting und Kilian Maier von den Jusos den Kontakt zum Wähler. ? F.: Stummer

SPD-Direktkandidatin Annette Heidrich über Varianten des Wahlkampfes und warum ihr der Kontakt zu den Menschen wichtig ist

Emmerting. Der Kontakt zum Wähler kann schwierig sein. Manchmal direkt beschwerlich. Und nirgends wird dies so deutlich wie beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf, dem sich die Parteien wieder vermehrt stellen. Annette Heidrich, SPD-Erststimmenkandidatin aus Burgkirchen, mag diese Art der Konfrontation und des Wählerkontakts. Ehrlich sei das, sagt sie und direkt. Wie direkt, wird vergangene Woche in Emmerting deutlich. Zusammen mit Erwin Scheiwein vom SPD-Ortsverein Emmerting und Kilian Maier von den Jusos stellte sie sich dieser besonderen Art von Stimmenfang – und die Heimatzeitung begleitete sie einen Nachmittag lang.

"Nein, wir mögen hier keine SPD", sagt bereits nach wenigen Minuten eine alte Dame auf der Schwelle zu ihrem Haus und schließt gleich wieder die Tür. Sie mag keine Fragen beantworten und die SPD wählen schon gleich gar nicht. Annette Heidrich nimmt’s mit einem lauten Lachen. "Das hat sich dann wohl erledigt", sagt sie fröhlich, schultert ihre rote Stofftasche mit Infomaterialien und marschiert weiter. Die rüde Abfuhr der Frau perlt an ihr ab wie der Nieselregen an jenem Mittwochnachmittag. Sogar das Wetter scheint sich gegen sie verschworen zu haben, aber Annette Heidrich will sich davon nicht abhalten lassen. Sie zieht den leuchtend roten Mantel enger um den Körper. "Zeit für Martin", steht auf einem Button am Revers, dazu das Konterfei von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Annette Heidrich steuert das nächste Haus an. Die Geschichten wiederholen sich. "Ich weiß noch nicht, ob ich wählen gehe", sagt der eine, "ich habe mich noch nicht entschieden" eine andere. Immer wieder trifft Heidrich auf Menschen, zumeist Frauen, die nur gebrochen Deutsch sprechen. "Da sieht man wieder, wie wichtig das Erlernen der Sprache ist", sagt sie. Viele dürfen gar nicht wählen, andere sind unentschlossen. Geduldig versucht Heidrich, die Menschen für die Wahl zu begeistern. "Gehen Sie wählen, das ist wichtig", betont sie. Sie erklärt den Menschen, wofür die Erststimme da ist und was die Zweitstimme bezweckt, sie wirbt für die SPD und für ihre eigene Arbeit.

Vor allem aber möchte Heidrich mit diesem Tür-zu-Tür-Wahlkampf mit den Leuten in Kontakt treten. Von der Parteizentrale in Berlin bekommt sie dafür Listen von Gegenden, wo bei der letzten Wahl besonders wenige Stimmen für die SPD verbucht wurden. Hier geht Heidrich hin, hier will sie überzeugen. "Sie sollen mich kennenlernen können", sagt sie und sie wolle sich so die Sorgen und Nöte der Wähler anhören. "Machen sie was gegen den Pflegenotstand", sagt eine Frau. "Kümmern Sie sich um die Familien", fordert eine andere – und immer wieder wird die Flüchtlingsthematik ins Feld geführt.

Sie selbst legt vor allem in den Bereichen Bildung, Lohngerechtigkeit und soziale Themen ihre Schwerpunkte. So sind der Mindestlohn, die Finanzierung von Frauenhäusern, die Situation in der Pflege oder das Thema befristete Arbeitsverträge Aspekte, die sie verbessern möchte. Die Burgkirchnerin kandidiert nun nach 2013, als sie auf 14,4 Prozent der Erststimmen kam, bereits zum zweiten Mal. Sie ist in einem politischen Haushalt groß geworden. "Bei uns war Politik schon immer ein Thema", sagt sie. Bereits zu Jugendzeiten war sie in der SPD aktiv. Heidrich hat einen Studienabschluss an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Duisburg, sie arbeitet als Tagesmutter und vermittelt mit öffentlichem Auftrag Wohnungen in der Asylarbeit. Die stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Altötting steht auf Platz 30 der SPD-Landesliste, ihre Motivation fasst sie mit diesen Worten zusammen: "Ich will Dinge mitgestalten. Das Meckern liegt mir nicht, da verändere ich lieber etwas."

Heidrich ist mittlerweile wieder in einem Wohnblock gelandet. Sechs Parteien, Stoffdeko an den Türen. Unten im Keller laufen nach einem Wasserschaden die Trocknungsgeräte. Die Frau an der Tür denkt zunächst, Heidrich sei von der Heizungsfirma, um den Schaden zu begutachten. Dann endlich – Heidrich wird diese Wähler später "Aufbaukandidaten" nennen, denn die Frau mit der rauchigen Stimme und dem toupierten Haarschopf erklärt: "Meine Stimme haben sie. Die Merkel mag doch eh keiner." Eine Handvoll SPD-Wähler sollen es zum Schluss noch werden, denen sie an der Tür begegnet. Und als sie um kurz vor 18 Uhr zum Auto zurückkehrt, hört sogar der Nieselregen auf.

-Johanna Stummer

 

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