PNP 17.06.16: 17 Stunden fasten, dann endlich: Der erste Schluck

Veröffentlicht am 19.06.2016 in Allgemein

Stadt und Integrationsreferentin luden erstmals zum Fastenbrechen ein – Fasten im Islam und im Christentum

von Ina Lambach

Im nahezu familiären Kreis fand am Mittwoch das erste Neuöttinger Fastenbrechen statt, links vorn im Bild der Hauptreferent, Bayram Türksezer. − Foto: Lambach

Neuötting. Sie haben alle Durst. Doch sie sitzen vor den Getränken, die am Tisch stehen und warten. Am Rand des Saals ist zum Fastenbrechen im Fastenmonat Ramadan ein Büfett aufgebaut, es duftet würzig und nach frischem Brot. Aber: Erst die Ansprachen, erst die Dunkelheit, dann das Essen. Um 21.20 wird der Ruf des Muezzin per Handy in den Saal geholt, die Muslime versenken sich in ein Gebet. Derweil werden die ersten Wasserflaschen geöffnet, durch den blechern klingenden, dennoch durchdringenden Ruf des Muezzin hindurch hört man, wie das Wasser in die Gläser gluckert. Dann endlich: Nach etwa 17 Stunden, in denen nichts getrunken, nichts gegessen werden durfte, nehmen die Muslime ihren ersten Schluck. Es muss ein beglückendes Gefühl sein.

Hierzulande wird den Menschen, Kindern, Arbeitern, Senioren, eingebläut: Trinken, trinken, trinken. Mindestens zweieinhalb Liter am Tag sollten es sein. Die gläubigen Muslime müssen das im Fastenmonat Ramadan anders regeln. Da steht man schon mal um 3 Uhr in der Nacht auf, um vorsorglich Wasser zu "bunkern".

17 Stunden täglich "ohne"Schon, wenn es dämmert, also bevor es hell wird – heute ist Sonnenaufgang um 5.09 Uhr – darf der gläubige Muslim nichts mehr trinken. Erst am Abend wieder, wenn die Sonne ganz untergegangen und es dunkel ist. Genaues regeln eigene Ramadankalender. Sonnenuntergang ist heute um 21.11 Uhr. Zwischen hell und dunkel liegen etwa 17 Stunden ohne, 30 Tage lang. Nun ist es aber bei weitem nicht so, dass die Muslime im Ramadan alle Urlaub hätten – es wird (zumeist) weitergearbeitet wie bisher.

Saniye Can, die als Referentin für Integration zusammen mit Bürgermeister Peter Haugeneder am Mittwoch zum Fastenbrechen in den Gemeindesaal der evangelischen Kirche eingeladen hatte, hat den ganzen Tag lang zusammen mit ihrer Freundin für das abendliche Iftar-Fest (Iftar bedeutet: Fastenbrechen für einen Abend) gekocht – ein ganzes Büfett haben sie zusammengestellt. Selbst essen oder trinken – das verbietet sich tagsüber.

Bayram Türksezer, stellvertretender Vorsitzender des Interkulturellen Dialogzentrums in München, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, über die "Gesetze des Islam" zu informieren, berichtet an diesem Abend über die Bedeutung des Fastenmonats Ramadan. Aktuelle Äußerungen zum kriselnden deutsch-türkischen Verhältnis – zuletzt wurde ein Fastenbrechen, zu dem Bundestagspräsident Norbert Lammert eingeladen gewesen war, nach seiner Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan und dessen Reaktion auf die Armenien-Resolution des Bundestags abgesagt – macht er nicht. Ihm sei es hier wichtiger, zu vermitteln, was der Ramadan bedeute, sagt er gegenüber dem Anzeiger.

Und auch die Gastgeber belassen es bei einem Nebensatz. Hausherr Pfarrer Udo Sehmisch unterstreicht, dass die evangelische Kirche "gerade in diesen sehr schwierigen AfD-Zeiten", ihre Türen öffne, "um zusammen zu feiern, Sitten und Gebräuche anderer Kulturen kennenzulernen", ganz nach dem Motto: "Nehmt einander an wie Christus Euch angenommen hat".

Bürgermeister Peter Haugen-eder betont, die Stadt habe eingeladen, um zu zeigen, was Iftar bedeute – eine Premiere für Neuötting. Etwa 20 Gäste aus Neuötting und etwa 15 Muslime waren der Einladung gefolgt – es ist ein kleiner Kreis. Haugeneder unterstreicht, dass es "gerade heute, wo zwischen Deutschland und der Türkei gewisse Dissonanzen da sind", wichtig sei, dass man "auf der Ebene des persönlichen Kontakts" diese politischen Dissonanzen "nicht in den Mittelpunkt stellt", sondern dass die verschiedenen Kulturen einander kennenlernen.

Das Fasten der christlichen Kirchen kennt man – die katholische österliche Fastenzeit auf der einen Seite und die "sieben Wochen ohne" in der evangelischen Kirche.

Das Fasten der Muslime hat einen strengeren Charakter – indes: Die Muslime werden früh an den Fastenmonat gewöhnt und mögen den Verzicht so leichter aushalten als dies unsereiner täte.

"Fasten erhöht uns in den Rang der Engel"Bayram Türksezer verweist auf den Koran, in dessen Sure 2, Vers 183 der Ursprung des Fastens festgeschrieben ist. Beim Fasten lerne der Mensch, sich zu beherrschen, "damit man spirituell, mental bei Gott ist". Iftar ist die Zeit des Fastenbrechens am Abend, wenn die Dunkelheit wieder da ist, die Zeit, zu der die Gläubigen zum Essen zusammenkommen. Nach den 30 Fastentagen wird das Ramadanfest gefeiert.

Das Fasten müsse man als eine Zeit sehen, in der man seinen Körper "warte" – die es einem ermögliche, zu spüren, wie es etwa Bedürftigen gehe: "Das Fasten erhöht uns in den Rang der Engel", beschreibt Türksezer die Glaubenslehre. Man lerne, geduldig zu sein. Und außerdem habe man durch den Verzicht "wenig Kraft, um zu sündigen. Da wird man einfach ..... wie Engel", fügt er schmunzelnd hinzu. Auf die Frage eines Zuhörers, dass es nicht gesund sei, wenn ein 14-Jähriger im Sportunterricht im Sommer schwitzt und nichts trinken darf, sagt Türksezer, dass Kinder, alte oder kranke Menschen sowie schwangere und stillende Mütter nicht fasten müssten. Ungesund sei es nicht, es gebe entsprechende Studien. Außerdem erlaube der Koran, das Fasten, wenn es zu dem Zeitpunkt nicht möglich sei, nachzuholen – das ist aktuell von Fußballern der EM zu hören gewesen.

Stadtpfarrer Heribert Schauer beschreibt das Fasten aus katholischer Sicht. Er betont, dass das Christentum keine "Gesetzes- und keine Buchreligion im strengen Sinne" sei. Vielmehr sei es "eigentlich eine therapeutische Religion, die dir helfen soll, ein gutes Leben zu finden". Von daher sei die Fastenzeit wie auch das freitägliche Fasten eine Erinnerung daran, dass Jesus an einem Freitag gestorben sei. Aber: "Das soll kein Opfer sein." Die vorösterliche Fastenzeit solle auch dazu führen, dass man durch den Verzicht sein (Sucht)Verhalten überdenken und ändert, dass man seine Bedürfnisse beherrschen kann, so Schauer.

Pfarrer Udo Sehmisch bezeichnet das Fasten aus lutherischer Sicht als ein "individuelles Trainingsprogramm", das einem von schlechten Dingen abhalten solle. Eigentlich sei das Fasten in der evangelischen Kirche längst abgeschafft worden: "Bei uns heißt das Passionszeit – Leidenszeit – und wir leiden ein Stück mit. Anfang der 80er Jahre jedoch sei von Hamburg ausgehend das Motto "Sieben Wochen ohne" ausgerufen worden. Das stelle eine Möglichkeit dar, "aus den Gewohnheiten auszubrechen und Neues zu entdecken", sagt der Pfarrer.

Im Saal wird es unruhig, Sehmisch schaut auf die Uhr, es ist Zeit. Er fragt, ob es denn vor dem Essen noch ein Gebet gibt – und wie zur Antwort brummt ein Handy ums andere und der Muezzin wird per App zum Gebetsruf nach Neuötting zugeschaltet.

Dann endlich: Essen, trinken, reden. Das üppige Büfett lockt mit deftigen Gerichten wie Suppe, Huhn, Reis, Köfte und Tsatsiki, aber auch mit den berühmten türkischen Süßspeisen wie Baklava oder Halva. Und auch hier wie so oft: Beim Essen und Trinken kommen die Leut’ zusammen – ganz ohne große Politik. Und das ist (mindestens) ein guter Anfang.

 

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