PNP 20.09.14: "Ich habe mich immer als Anwalt der Bürger gesehen"

Veröffentlicht am 21.09.2014 in Presse

\"Jetzt habe ich das ,Alt‘ im Titel\": Aus der Hand von Amtsnachfolger Dr. Tobias Windhorst (rechts) nahm Horst Krebes die Ernennungsurkunde zum Altbürgermeister entgegen. ? Foto: Brandl

Töginger Stadtrat verleiht Horst Krebes einstimmig den Ehrentitel "Altbürgermeister" – Auch Landrat Erwin Schneider überreicht ihm ein Geschenk.

Töging. Mit einstimmigem Votum hat der Stadtrat am Donnerstag dem früheren Bürgermeister Horst Krebes einen Ehrentitel verliehen: Horst Krebes, der von Mai 1996 bis Ende April 2014 den Chefposten im Rathaus inne hatte, darf sich nun "Altbürgermeister" von Töging nennen.

Unter dem Applaus der Stadträte und einiger Zuhörer überreichte Amtsnachfolger Dr. Tobias Windhorst eine von Holger Lamprecht ("Töginger Mappe") künstlerisch gefertigte Urkunde hinter Glas und Rahmen. Außerdem holte Landrat Erwin Schneider bei der Sitzung die Ehrung nach, die für andere ausscheidende Rathauschefs beim Bürgermeister-Ausflug zum Comer See (der Anzeiger berichtete) durchgeführt worden war. Krebes hatte an dem Ausflug nicht teilgenommen. Auch damit war die Überreichung eines Geschenks verbunden.

"Du bist gescholten und geschimpft worden" Dr. Windhorst rief den persönlichen und politischen Lebenslauf des Amtsvorgängers in Erinnerung. Bei der Aufzählung seiner Engagements werde oft vergessen, dass Krebes vor seiner Zeit als Stadtrat, 2. und 1. Bürgermeister in Töging auch schon drei Jahre im Heimatort Benediktbeuern als Gemeinderat gewirkt habe. Und: Bis heute habe er Sitz und Stimme im Kreistag von Altötting und wirke dort als stellvertretender Landrat.

Krebes habe sich als Vorsitzender des TuS eingebracht und bis vor kurzem dem Heimatbund vorgestanden. Auf politischer Ebene werde sein Bemühen um die Wiederbelebung des Industriegebiets nach dem endgültigen Weggang der VAW 1996 in Erinnerung bleiben: Man habe das Existenzgründer- und das Wirtschafts-Service-Zentrum dort angesiedelt, ferner die Kreishandwerkerschaft. Auch die Renovierung der beiden Schulen und die Umgestaltung des Rathausplatzes sowie die Sanierung des Rathauses selbst seien durchgeführt worden.

18 Jahre seien eine sehr lange Zeit als 1. Bürgermeister. In seinen viereinhalb Monaten als Nachfolger habe er schon gemerkt, wie schwierig die Tätigkeit sei. Es könne nie gelingen, es jedem recht zu machen. "Als Stadtrat ist man oft etwas weiter weg, es ist einfacher", räumte Windhorst ein, der in seiner Zeit als Stadtrat Krebes häufig selbst kritisiert hatte.

SPD-Fraktionssprecher Günter Zellner erhob sich vom Platz, um Krebes zu würdigen. Das Wirken des früheren Bürgermeisters sei in der Stadt heute allgegenwärtig und überall sichtbar. Dabei habe Krebes sein Amt in denkbar ungünstiger Zeit angetreten: Nicht nur die VAW habe damals ihre Pforten geschlossen, sondern auch die Textilfabrik "Mülo".

Als Initialzündung, um diesem Trend entgegen zu wirken, habe man unter Krebes’ Führung damals das Kulturzentrum Kantine etabliert – nicht ohne Gegenwind: "Du bist gescholten und geschimpft worden", wandte sich Zellner an Krebes. Heute sei klar: Es sei die richtige Entscheidung gewesen.

Für die Bürger sei Krebes immer ein Ansprechpartner gewesen. Sie seien mit ihren Sorgen zu ihm gekommen, viele hätten in ihm ihre Hoffnung gesehen. "Er hat uns geholfen", habe es dann geheißen.

Für die CSU-Fraktion sagte Christoph Joachimbauer Dank an die Adresse von Horst Krebes für dessen Tätigkeit. "Es gehört einiges dazu, Tag und Nacht die Verantwortung zu übernehmen", stellte er klar und wünschte ihm alles Gute für die Zukunft.

Dem schloss sich auch Sepp Neuberger für die Freien Wähler an. Krebes habe auch schwierige Entscheidungen treffen müssen. Neben der Kantine erinnerte Neuberger an die Kündigung eines Rathaus-Mitarbeiters, die ein jahrelanges gerichtliches Nachspiel hatte. Krebes habe stets objektiv und sachgerecht Entscheidungen getroffen, die dem Wohl der Stadt dienten, sagte er.

Horst Krebes bedankte sich für die Ehrung und merkte ironisch an, nun habe er das Wort "Alt" offiziell im Titel. An Amtsnachfolger Windhorst gewandt sagte er, wenn er die Würdigung seiner Tätigkeit aus dessen Mund höre, "dann kann es nicht so schlecht gewesen sein."

"Krematorium hätte unsere Stadt zerrissen" Beim Rückblick auf seine Amtszeit hob Krebes die Bemühungen um die jetzige Gestaltung der Autobahnausfahrt hervor. Und: Dass es gelungen sei, den Bau eines Krematoriums in Töging zu verhindern, mache ihn stolz. Obwohl es aus rein rechtlicher Sicht hätte gebaut werden dürfen, sei es gelungen, Argumente zu finden, die dieses Projekt letztlich doch stoppten: "Das hätte unsere Stadt zerrissen", gab sich Krebes überzeugt.

Auf die wirtschaftlich so schweren Jahre Mitte der 90-er Jahre eingehend sagte Krebes, er habe sich damals mit seiner Initiative auch in der eigenen Fraktion durchsetzen müssen. Dass die Stadt hier vorangegangen sei, habe private Investitionen und auch öffentliche Fördermittel nach sich gezogen. gab er sich überzeugt.

Krebes sagte, es sei gut gewesen, dass er damals als studierter Bauingenieur in das Amt gekommen sei: Dieser Beruf sei möglicherweise durch mehr Entscheidungskraft gekennzeichnet als der eines Beamten. Sein Amtsverständnis charakterisierte er so: "Ich habe mich immer als Anwalt der Bürgerinnen und Bürger gesehen." Viele Menschen seien mit ihren Sorgen zu ihm gekommen, er habe sie, weil im Bürgermeister-Büro viele Fäden zusammenlaufen, zu den entsprechenden Stellen weiterleiten können. Sein Dank galt dem Stadtrat und den Mitarbeitern der Verwaltung – diese hätten "konstruktiv und loyal" mit ihm zusammengearbeitet. Töging müsse sich heute nicht verstecken: "Wir können uns erhobenen Hauptes bewegen."

Er selbst fühle sich im Ruhestand sehr wohl. Zwar bringe die Beschäftigung mit dem Enkelkind "Stress", aber einen sehr positiven. Er wünsche sich jetzt, dass er und seine Frau noch lange gesund bleiben und mal ohne den Druck dauernder Sitzungen einen längeren Urlaub planen könnten.

Landrat Erwin Schneider sagte, Krebes sei 1946 als Kind Vertriebener schon in eine schwierige Zeit hineingeboren worden: "Deutschland lag darnieder." Als er 50 Jahre später Bürgermeister wurde, sei mit dem Weggang der VAW aus Töging "die größte Tür zugefallen: Keiner hat so recht gewusst, wie es weitergehen soll." Dass sich dann so manche Tür wieder öffnete, daran habe Krebes seinen Anteil gehabt. Töging sei heute eine "stolze Stadt mit enormem Potenzial", so der Landrat.

Schneider rief Krebes’ Bemühungen um die Ansiedlung des Grünen Zentrums in Erinnerung und bedankte sich für seine Loyalität als Landrats-Stellvertreter seit 2002: "Ich kann mich 100 Prozent auf dich verlassen." Die unterschiedliche Parteizugehörigkeit habe hier nie eine Rolle gespielt.

An die Stadträte gewandt sagte Schneider, Bürgermeister zu sein, sei schwerer als man denkt. Mit Kritik sei man meist recht schnell zur Hand.

Krebes rief zuletzt die Abschiedsformel seines Vorgängers Max Saalfrank in Erinnerung und machte sie sich selbst zu eigen. An die Adresse der Töginger gewandt, sagte er: "Halt’s z’samm!" − afb

 
 

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